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Januar 22, 2021

4. Gemeinsames Sein beim 3. Yogaleicht-Meditationskurs

vrtti sārūpyam-itaratra ||1.4||

Ansonsten nimmt das erkennende Bewusstsein die Form der unruhigen und kreisenden Bewegungen an.

Gestern durfte ich euch die vierte Meditationslektion dieses dritten Meditationskurses auf Video weitergeben. So konntet ihr euch Zuhause diese Zeit zum Sein trotzdem schenken. Der Videounterricht ist eine ideale Möglichkeit gerade in der aktuellen Situation, um trotzdem miteinander verbunden zu bleiben, und um so gemeinsam einen Meditations-Moment zu teilen. Es freut mich sehr, dass ein paar von euch jetzt noch nachträglich zum Meditationskurs dazugestossen sind und nun diese Video-Gelegenheit genutzt haben, um spontan etwas Yogaleicht-Meditationsluft zu schnuppern.

Gerne blogge ich hier das Gehörte und Geübte der gestrigen Meditation auch heute trotzdem zusätzlich, auch wenn ihr noch mehrmals mit dem Video bei euch Zuhause weiter praktizieren könnt. Denn so bleibt das Gelernte auf meiner Webseite jederzeit trotzdem noch nachlesbar. Diejenigen von euch, welche dieses Mal nicht dabei sein konnten, bekommen so noch die Möglichkeit das Verpasste auf diesem Wege nachzuholen und einfach zu Hause für sich selbständig zu üben, wenn sie möchten.

Zu Erinnerung … wie jedes Mal:

Du darfst dich auch in den eigenen vier Wänden, wieder völlig erwartungsfrei auf das Meditieren einlassen und ganz offen die einleitenden Wort aufnehmen und die Meditationsübung entspannt als nächstes Lernfeld nutzen.

Empfange jetzt … einleitende Worte:

Zur Wiederholung und für die welche das erste Mal beim Meditieren dabei sind. Wir befassen uns bei diesem Yogaleicht-Meditationskurs mit dem Yoga-Sutra von Patanjali, das ist eine ganz wichtige und wertvolle Yogaschrift, ein wunderbarer yogischer Leitfaden.

Wir haben von Oktober bis Dezember vom letzten Jahr bereits die ersten drei Yoga-Sutras empfangen und heute bekommen wir den vierten Vers aus dem ersten Kapitel mit auf unseren Yogaweg.

Für diejenigen von euch, welche erst heute einsteigen oder wenn du die ersten drei Yoga-Sutras nochmals nachlesen möchtest, findest du diese in meinem Yogaleicht-Blog als einzelne Beiträge in der Kategorie: Meditation.

Ich gebe uns jetzt einfach noch folgende Kernbotschaft, welche die Yoga-Sutra 1-4 alle beinhaltet, mit in die Meditationslektion: Praktiziere Yoga –Jetzt– und beruhige deine Geistesaktivitäten. Dann klärt sich dein Geist und du erkennst dein wahres Selbst. Denn in allen anderen Zuständen ist deine Sicht über dich selbst und über die der Welt getrübt.

Nun bekommst du den vierten Vers aus dem ersten Kapitel des Yoga Sutra mit auf deinen Weg:

vrtti sārūpyam-itaratra ||1.4||

–> Was übersetzt bedeutet: Ansonsten nimmt das erkennende Bewusstsein die Form der unruhigen und kreisenden Bewegungen an.

Wörtlich übersetzt heisst: vrtti –> Geistesbewegungen, Gedankenwellen, Trübungen, sa –> ähnlich, rupyam –> Form, sarupyam –> Identifizierung, itaratra –> in anderen Zuständen oder Situationen

In vielen Situationen des Lebens sind wir nicht mit der Stille und dem erkennenden Bewusstsein verbunden.

Sondern sehr oft, oder viel zu oft, beschäftigen wir uns mit unseren kreisenden Gedanken und Gefühlen.

Die unbewussten Muster und starken Gewohnheiten führen dann immer wieder zu Gedanken und Handlungen, die uns selbst und anderen Menschen nicht gut tun.

Also: Ansonsten nimmt das erkennede Bewusstsein die Form der unruhigen und kreisenden Geistesbewegungen an.

Oder noch eine andere mögliche Übersetzung ist: Sonst gibt es eine Identifizierung mit den Bewegungen des Geistes.

In diesem Yoga-Sutra sagt uns Patanjali, was der oder die Übende hinter sich lassen sollte, eben diese Identifizierung mit den eigenen geistig-seelischen Vorgängen. Diese sogenannte Gedankenmaschine ist das Thema, und eine ganz wichtige Erkenntnis ist, dass der gross Teil unserer Gedanken autonom ablaufen. Egal ob unsere Gedanken gerade eine gute oder eher schlechte Stimmung zur Folge haben, eines ist sicher: Der Mensch ist bei der Identifikation mit seinen Gedanken, vollkommen ausgeliefert. Wichtig ist immer zu wissen: Ich bin nicht meine Gedanken!

Der Yoga strebt deshalb mit all seinen Techniken, sei es bei den Körperübungen, mit den Atemübungen oder mit der Meditation, immer wieder diese Achtsamkeit und die Konzentration auf ein Objekt an. Es geht um die Kontrolle von der Aufmerksamkeit, damit man eben auch wieder die Kontrolle über die Bewegungen im Geist und damit auch über sich selbst bekommt. Es geht dabei um Selbstbeherrschung!

Das Leben bietet uns ständig Möglichkeiten anhand von herausfordernden Situationen, Enttäuschungen und allgemeinen Konflikten genau hinzuschauen, welcher unser eigener Anteil ist, der zu dieser Situation geführt hat. So wird es möglich sich durch neue Sichtweisen oder Einsichten selber weiter zu entwickeln. Zum Beispiel können wir bei einer Enttäuschung einsehen lernen, welche unrealistischen oder übersteigenden Erwartungen nicht erfüllt worden sind. Nur so durchschauen wir unsere unbewussten Muster und sehen auch unseren eigenen Anteil klarer.

Es ist immer gut das Gehörte oder jetzt eben Gelesene einen Moment gerade in Stille zu reflektieren. Probiere du deine eigenen Muster zu erkennen. Betrachte anhand von einer Situation aus der Vergangenheit, wie dich deine unbewussten Muster schon getäuscht haben. Wie du dich immer mehr in Interaktionen verstrickt hast, die dir nicht guttun, und wie du dann schliesslich zu einer Krise, einer Enttäuschung oder zu einer Verletzung gekommen bist. Erlaube dir ganz entspannt auf jeder Stufe deinen eigenen Anteil herauszufinden.

Wenn es dir nicht gerade gelingt dich in diesem Moment auf diese Übung einzulassen, probiere es einfach später. Mach dir dann dazu vielleicht auch Notizen oder bespreche es mit einer vertrauten Person, wenn du das möchtest oder dir das helfen könnte.

Dann erklär ich jetzt noch ausführlich unsere Meditationsübung:

Es ist eine Meditationsübung bei der das Konzentrationsobjekt unser eigener Körper ist. Ein sogenannter Bodyscan, die von euch, welche schon länger mit mir bei Yogaleicht unterwegs sind, sind dieser Übung bestimmt in irgend einer Form bereits auch in meinem Yogaunterricht begegnet. Wir wandern mit unserer Aufmerksamkeit Punkt für Punkt vom Kopf bis Fuss. Und wenn wir unten bei den Füssen angekommen sind, beginnen wir wieder von vorne, oben beim Kopf. Insgesamt leite ich 18 einzelne Konzentrationspunkte an.

Wenn du die Übung dann anschliessend an meine Anleitung in der Stille noch weiter übst, spielt es nicht so eine Rolle, ob du die Reihenfolge ganz exakt einhaltest, vielleicht entsteht mit der Zeit auch deine eigene Abfolge. Ich empfehle dir einfach jeweils am Kopf oben zu starten. Wenn du schon länger meditierest und geübt bist, kannst du mit der Zeit die Abfolge von den Füssen auch dann jeweils wieder rückwärts angehen zurück zum Kopf und vom Kopf dann wieder zu den Füssen und so weiter.

Also beim Bodyscan ist dein Fokus auf dem Körper, du verweilst jeweils immer einen Moment bei jedem Körperpunkt, als Konzentrationsobjekt.

Kommen Gedanken auf, welche dich ablenken wollen oder es bereits geschafft haben, dann kehrst du einfach wieder zum letzten Körperpunkt zurück, bei welchem du zuletzt gewesen bist.

Wenn du bereits länger Meditation übst, weisst du oder es wird dich nicht mehr wundern, wie oft oder wie schnell man mit den Gedanken abschweifen kann.

Doch es gilt dann immer das Gleiche, sobald du dich mit anderen Gedanken als die vom Bodyscan beobachtest, sag dir einfach innerlich: Das ist nur ein Gedanke gewesen und kehr geduldig zu der Übung zurück.

Jetzt gebe ich dir noch folgende allgemeine Tips für das Praktizieren bei dir Zuhause mit auf deinen Meditationsweg, welche du bei jeglicher Meditation anwenden kannst:

Eine der Herausforderungen kann zum Beispiel sein:

Du bist dir deinem Gedanken bewusst, möchtest ihn aber auf keinen Fall verlassen, obwohl du eigentlich weisst, dass du gerade am Meditieren bist. Das kann tatsächlich häufiger vorkommen, als du jetzt vielleicht vermutest, auch wenn du schon länger auf deinem Meditationsweg unterwegs bist.

Du kannst dich aber darauf folgendermassen vorbereiten: Denn manchmal können dir Gedanken kommen, die dir so wichtig erscheinen, dass du gerade am liebsten die Meditation sofort beenden möchtest, um dich voll diesem oder diesen Gedanken widmen zu können. Du hast zum Beispiel eine Idee, die du sofort festhalten möchtest, damit du sie nicht wieder vergisst.

Auch wenn ich dir jetzt aus Erfahrung sagen kann, nichts was dir während der Meditation in den Sinn oder in den Kopf kommt, ist so wichtig. Wenn du aber daran noch zweifelst, dann lege dir das nächste Mal einen Zettel und einen Stift bereit. Schreibe dir den Gedanken dann gerade auf, denn das wird dir auch helfen, dich vom Gedanken überhaupt lösen zu können. Dann tauchst du gleich wieder in die Meditation ein.

Und danach ist es dann aber noch viel wichtiger, schaue ein paar Stunden später die Notiz wieder an. Du wist feststellen, dass dieser Gedanke sich seither bereits wieder häufig gemeldet hat oder in der Tat gar nicht so wichtig war und du ihn mittlerweile bereits wieder verworfen hast.

Eine andere Herausforderungen kann zum Beispiel sein:

Du bemerkst gar nicht, dass du Gedanken denkst. Du denkst Gedanke um Gedanke, sie kommen und gehen, einer nach dem anderen, anstatt dass du deiner Meditation folgst und du bist und sitzt komplett in Gedanken versunken einfach da.

Dein Timer oder dein Meditationsgong läutet und holt dich aus dieser Endlosschlaufe heraus. Klar nicht so optimal, weil deine Meditationszeit jetzt bereits vorbei ist. Aber kein Grund dir Vorwürfe zu machen oder dich zu tadeln. Es ist ganz einfach eine wichtige Erfahrung mehr und das nächste Mal geht es bestimmt wieder etwas besser.

Dann kann das Üben ja jetzt beginnen:

Leite dir selbständig das Aufrichten für ein aufrechtes Sitzen an, wie du es gewohnt bist. Hier nun also die von mir angeleitete Reihenfolge der 18 Körperpunkte, des ganzen Bodyscans von gestern.

Ich erinnere dich, ab jetzt ist dein Meditationsobjekt dein Körper und deine Haut. Jedes Körperteil, Punkt für Punkt, darauf lenkst du jeweils bei jedem Körperpunkt einen Moment deine volle Konzentration, deinen ganzen Fokus!

Fange ganz oben beim Kopf an, bündle deine ganze Aufmerksamkeit jetzt oben bei deiner Kopfhaut. Vielleicht hilft es dir als Einstieg innerlich nach oben zu schauen und dir deinen Kopf vorzustellen oder versuche deine Kopfhaut zu bewegen. Und wenn du soweit bist, gehst du zum ersten Punkt, verweilst dort einen kurzen Moment und gehst dann zum nächsten Punkt und so weiter, und wenn du beim letzten angekommen bist, wieder von vorne.

1. Scheitel, 2. Stirn, 3. Augen, 4. Nase, 5. Mund, 6. Ohren, 7. Hals, 8. Nacken, 9. Schultern, 10. Oberarme, 11. Unterarme, 12. Hände, 13. Brust, 14. Bauch, 15. Becken, 16. Oberschenkel, 17. Unterschenkel, 18. Füsse.

Ich empfehle dir die Übung ca. 10-15 Minuten regelmässig zu praktizieren. Du kannst dich ja auch noch ein paar Mal einfach mit dem Video bei der Übungssequenz anleiten lassen von mir, wenn du das Video gebucht hast, um möglichst davon zu profitieren, solange du den persönlichen Zugangslink nutzen kannst. Das Aufrichten im Sitzen, die Anleitung des Bodyscans und das selbstständige Üben danach in der Stille sind insgesamt etwa 15-20 Minuten lang auf meinem Video.

Geniesse dann abschliessend für dich jeweils immer noch eine kurze Endentspannung und bleibe noch einen guten Moment im edlen Schweigen auch bei dir Zuhause, um dir deine Insel der Ruhe noch etwas aufrecht zu erhalten.

Möge dir dieser Yogaleicht-Blogbeitrag erneut helfen bei der Verinnerlichung. Ich danke dir für dein Vertrauen und hoffe, dass ich dich auch mit meinem Yogaleicht-Video weiter beim Üben von Meditation etwas unterstützen konnte.

Ich freue mich auf das weitere gemeinsame Sein:

Am am Donnerstag den 18. Februar 2021 gibt es die nächste Meditationslektion nochmals auf Video.

Am Donnerstag den 18. März 2021 findet das letzte gemeinsame Sein dieses dritten Meditationskurses statt. Wer weiss, vielleicht darf dieses Beisammensein wieder live, alle gemeinsam im Meditationskreis, stattfinden.

Nutze diese nächsten Gelegenheiten, um das Meditieren zu vertiefen oder neu auszuprobieren. Es braucht keine Vorkenntnisse. Jede Lektion ist in sich abgeschlossen, du darfst dir auch einfach einzelne Meditationsimpulse abholen oder nur einmal unverbindlich Meditationsluft schnuppern.

Melde dich an bei mir, wenn du dabei sein möchtest und an der Video-Meditationslektion interessiert bist. Oder wenn du Mal in Zukunft in unserem Meditationskreis dabei sein möchtest. Ich freue mich auf jede Begegnung im edlen Schweigen mit dir, sei es online oder hoffentlich schon bald wieder live im Meditationskreis bei Yogaleicht.

Namasté Corinne

Quellenangabe: Inspiriert aus der Lektüre von Yoga Sutra – Der Yogaleitfaden des Patanjali (von H. Maldoner) und vom Praxisbuch – Meditation ist das Herz des Yoga (von Remo Rittiner und Martin Mittwede)

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Corinne Hertzog


Dipl. Yogalehrerin SYV / EYU